Pandemie und Purpose

Pandemie und Purpose

Ich muss ehrlich zugeben, auch ich wurde von den Ereignissen der letzten Tage doch ein klein wenig überrollt. Ein weltweites Ereignis dieses Ausmaßes stellt vermutlich die meisten gängigen Worst-Case-Szenarien für das eigene Unternehmen in den Schatten. Wohl die wenigsten unter uns konnten Anfang des Jahres vorhersehen, dass sich diese neuartige Influenza vom anderen Ende der Welt derart schlagartig zu einer globalen Pandemie entwickelt, die so viele radikalen Einschnitte in unser bisheriges Leben mit sich bringt.

Für viele wurde das Arbeiten so, wie sie es bisher gewohnt waren unmöglich, Aufträge wurden aufgeschoben oder gleich ganz storniert, einige Betriebe mussten komplett schließen. Dazu kommen die privaten Einschränkungen: Nicht mehr einfach so aus dem Haus gehen zu können und keine Freunde mehr zu treffen, ganz besonders bei diesem wunderschönen Frühlingswetter.
Aber auch die mentalen und emotionalen Belastungen sind enorm. Jedes Planen und Denken in die Zukunft ist unglaublich viel schwerer geworden. Mit einem leergefegten Terminkalender und dem Aufschub aller laufenden Projekte macht sich bei den meisten definitiv ein Gefühl der Hilflosigkeit breit.

Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen trifft es besonders hart. Viele ziehen nun die Köpfe ein und hoffen, diese dunkle Zeit halbwegs schadlos zu überstehen. Die Angst, Mitarbeiter entlassen zu müssen, ist inzwischen leider zu real.

 

Einfach nur zu hoffen, dass der Staat sich schon um uns kümmern wird, wäre allerdings die denkbar schlechteste Entscheidung.

 

Es ist vermutlich vermessen davon auszugehen, dass die Wirtschaft mit dem Ende der Krise direkt wieder anspringt, jeder dort wieder weitermachen kann, wo er unterbrochen wurde und alles wieder zum Alten zurückkehrt.

 

Ein feinjustiertes System ist aus der Balance geraten. So vieles, was bis vor kurzem unverrückbar schien funktioniert plötzlich nicht mehr, existiert nicht mehr oder ist irrelevant geworden.

 

Aus der Vergangenheit weiß man, dass Menschen ziemlich gut darin sind, nach einem solchen Schock schnell wieder zum Status Quo zurückzukehren und so zu leben, als wäre nichts passiert. Zumal der Nachholbedarf in allen Bereichen des Lebens enorm sein wird. Dennoch, die Welt nach der Krise wird eine andere sein.

 

Ob sie eine bessere wird liegt jetzt in unserer Hand.

 

Krisen bergen immer Chancen, auch wenn diese häufig schmerzlich erkauft sind. Es liegt an uns, diese zu erkennen und anzunehmen. Die Verlockung ist groß, der Vergangenheit nachzuhängen, den „normalen“ Alltag heraufbeschwören zu wollen und die Krise einfach auszusitzen. Doch wer diese einzigartige Gelegenheit zum Anlass nimmt, um sich und sein Unternehmen neu zu denken und aufzustellen, der hat den ersten Schritt ins 21. Jahrhundert gewagt. Denn wir werden lernen müssen in einer Welt zu leben, in der nichts sicher ist und die einfachsten Selbstverständlichkeiten von einem Tag auf den anderen nicht mehr ganz so selbstverständlich sein können.

 

Es ist jetzt notwendiger denn je, liebgewonnene Glaubenssätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht.“ über Bord zu werfen. In einer globalisierten Welt, die sich durch unvorhersehbare Ereignisse so radikal ändern kann, ist das Festhalten am Altbekannten wohl die allerschlechteste Überlebensstrategie. Die Covid-19 Pandemie hat uns eindrücklich gezeigt, wie unbeständig unser Leben sein kann. Auch unternehmerisch werden wir uns realistisch gesehen in Zukunft immer häufiger mit solch tiefgreifenden Ereignissen auseinandersetzen müssen.

 

Flexibilität, schnelles Umdenken, Umbauen und Anpassen des eigenen Geschäftskonzeptes werden in der Zukunft essenziell für den nachhaltigen Erfolg von Unternehmen sein. Lernen loszulassen und nichts für selbstverständlich zu halten wird die neue Kernkompetenz für Unternehmer werden.

 

Essenziell an Bedeutung wird der zugrundeliegende Purpose eines Unternehmens gewinnen.
Wenn das „Was“ und „Wie“ eines Unternehmens von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktioniert, kann das „Warum“ nicht mehr aus seinen Produkten oder Dienstleistungen abgeleitet werden. Kann ein Unternehmen in diesen Zeiten keinen klaren und wertvollen Purpose als Existenzberechtigung vorweisen, wird es mit Sicherheit schwieriger, durch diese Krise zu kommen.

 

Ein Beispiel für diesen Mechanismus ist der kürzliche Apell der Politik an die Industrie und insbesondere an die Autoindustrie, die Produktion von Autos zeitnah auf die von Beatmungsgeräten umzustellen.
Dieser Apell ist deswegen so interessant, da hier ein moralischer Ausgleich stattfinden soll:
„Wir haben euch immer durch alle Krisen geholfen, jetzt helft ihr uns, wenn wir in der Krise stecken.“ Dabei ist jedem halbwegs vernünftigen Experten klar, dass eine Firma nicht von einem Tag auf den anderen ihre Produktion von Autos auf Beatmungsgeräte umstellen kann.
Das Signal hinter dieser Forderung (insbesondere an die Bevölkerung) ist aber entscheidend: „Zeigt uns warum ihr relevant seid!“.

 

Der Schlag saß gut: Am Anfang der Krise sprang der Panikmodus an, relevant waren nur Homeoffice, Kinderbetreuung, staatliche Krisenhilfe und die Aufstockung der heimischen Toilettenpapiervorräte.

 

Im Panikmodus springen unsere gesellschaftlichen Überlebensinstinkte an, die Wahrnehmung reduziert sich auf die wesentlichsten Punkte: Wie bekomme ich meinen Alltag organisiert und wie bekomme ich das Überleben meines Unternehmens gesichert.
Man sollte jetzt glauben, dass in solchen Zeiten die Frage nach dem Purpose eines Unternehmens absolut in den Hintergrund tritt. Doch ich möchte hier entgegenhalten, dass insbesondere in Stresssituationen der Purpose eines Unternehmens stark an Bedeutung gewinnt. Es ist wie eine Feuerprobe. Der Purpose hält ein Unternehmen auch in der Krise zusammen, ohne ihn gibt es den unberechenbaren Kräften, nach die von außen auf es einwirken.


Genau in einer solchen Situation, wie wir sie momentan erleben, lohnt sich der Blick nach innen.
Denn innere Werte und Überzeugungen sind das, was uns in Krisenzeiten Orientierung und Halt geben. Unternehmen, die sich nicht intensiv mit diesen Punkten auseinandergesetzt haben, werden nur mit Schwierigkeit durch diese Krise kommen und wieder einen Platz in unserer Welt finden.  

 

Viele ertragen die aktuellen Einschränkungen unseres Lebens nur mit der Hoffnung, bald wieder zum alten Leben vor der Krise zurückkehren zu dürfen.
Doch die Welt nach der Krise wird eine andere sein und wir werden uns davon verabschieden müssen, dass sie jemals wieder die alte sein wird.

 

Und das ist gut so, denn nur wenn wir bereit sind, das Alte und Bekannte hinter uns zu lassen, werden wir wirklich frei und dazu in der Lage sein, unseren Blick für Neues zu öffnen. Dann verwandelt sich die Krise von der Katastrophe in einer Chance für eine besser Zukunft. 

 

 

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